Die Zwerggans ist die bedrohteste Gänseart der Welt

NABU Niedersachsen startet Projekt zum Schutz der Zwerggans

14. März 2013 - Sie ist klein, das Gefieder ist graubraun, sie hat einen rosa Schnabel und einen hübschen gelben Augenring: Die Zwerggans (Anser erythropus) ist die bedrohteste Gänseart der Welt. Sie brütet in der Arktis an der Grenze zwischen Wald und Tundra. Einstmals war die ruffreudige Gänseart von Nordskandinavien bis an den Pazifik verbreitet, doch heute gibt es vielleicht weniger als 10.000 Exemplare von ihnen. Die Zahl der brütenden Zwerggänse in Nordeuropa und Russland dürfte 1.000 Tiere nicht übersteigen. Aber in jedem Winter werden diese seltenen Vögel auch in Niedersachsen beobachtet. Der NABU Niedersachsen startet am 15. März sein Projekt zum Schutz der Zwerggans und trifft damit Vorbereitungen für einen Schutz der Art auch in Niedersachsen.
Alljährlich reisen mit den arktischen Bläss- und Weißwangengänsen auch die seltenen Zwerggänse mit nach Westeuropa, um hier den Winter zu verbringen. Vogelschutzexperten schätzen die Zahl der Zwerggänse bei uns auf einen Bestand von 120 bis 170 Vögel, die im Herbst Richtung West in die Niederlande ziehen. Einige der Zwerggänse verbringen aber offenbar den Winter auch in Niedersachsen.
Die genauen Rastplätze, ihre Zugwege und Schlafgewässer sind bisher aber weitgehend unbekannt. Der NABU Niedersachsen will nun mit einem dreijährigen Projekt mehr Aufmerksamkeit auf diese wichtige Zugvogelart lenken und selbst mithilfe von gezielten Erfassungen und Satellitensendern wichtige Basisdaten für den Schutz der Art schaffen.

H. Kruckenberg, R. Gramberg und H. Buschmann (c) NABU Nds.


An zentralen Rastplätzen der Zwerggänse in den Niederlanden, Schweden und Niedersachsen sollen einige Gänse eingefangen und mit Rucksacksendern ausgestattet werden. Dabei wollen sich die Gänseforscher einer traditionellen friesischen Fangmethode bedienen: mit trainierten Lockvögeln sollen die Wildgänse in den Fangbereich gelockt und dann mit geräuschlosen Klappnetzen eingefangen werden. Der Rucksacksender peilt ähnlich wie das Navigationssystem im Auto die GPS Satelliten an, die die Erde umkreisen, und stellt so seine Position auf 18 Meter genau fest. Mittels einer Satellitenfunkverbindung werden die Ortungen dann übertragen und an die Wissenschaftler übermittelt. So lässt sich feststellen, welche Zugrouten die in Niedersachsen rastenden Gänse nehmen, wo sie genau überwintern und wo ihre Brutgebiete sind. Außerdem können die Rastgebiete von Gänsefachleuten gezielt angefahren und die Vögel vor Ort gesucht werden.
Die Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Gänsebeobachter ist ein wichtiger Bestandteil dieses Projektes, denn gerade ehrenamtlich Freiwillige sind seit jeher zuverlässige Beobachter der rastenden Wildgänse in Niedersachsen und arbeiten aktiv in vielen Gänseforschungsprojekten mit. Die verstärkten Geländekontrollen, insbesondere zur Hauptzugzeit der Zwerggänse, sollen wichtige Kenntnisse für einen besseren Schutz der Art in Niedersachsen erarbeiten lassen.
Zwerggänse sehen der verwandten Blässgans sehr, sehr ähnlich. Es bedarf einiger Übung, guter Optik und viel Geduld, diese seltene Art in den Gruppen rastender Bläss- und Weißwangengänse zu entdecken. Daher sollen auch gezielt Behörden, Landwirte und Jagdpächter an den Rast- und Äsungsflächen der arktischen und nordischen Wildgänse über das Vorkommen dieser seltenen Gänseart informiert und sensibilisiert werden. Da Zwerggänse auf ihren jährlichen Wanderungen häufig sehr ortstreu sind und Jahr für Jahr die gleichen Gebiete aufsuchen, ist dies besonders wichtig.
Zudem soll auch mit den Zwerggansschützern im benachbarten Ausland und entlang des Zugweges die Zusammenarbeit ausgebaut werden.
Für die Projektleitung konnte der bekannte Gänseexperte Dr. Helmut Kruckenberg gewonnen werden, der bereits seit mehr als 15 Jahren Forschungs- und Schutzprojekte arktischer Gänse zwischen Niedersachsen und Sibirien durchgeführt hat.