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Entwicklung des Bruerfolges (gestrichelt: erfasste Daten, durchgezogene: langjähriges Mittel)

Bruterfolg bei Blässgänsen – erste Ergebnisse aus dem Winter 2007/08

Sowenig Bruterfolg wie noch nie

267.968 Blässgänse wurden im Winter 2007/08 nach Alter differenziert – so viele wie nie zuvor! Der aus dieser Stichprobe ermittelte Jungvogelanteil von 11,1 % war der drittniedrigste seit Beginn der Erfassungen 1961/62. Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre fort: Der Bruterfolg ist – gemessen an den Jungvogelanteilen, die in den Überwinterungsgebieten erhoben werden – schon seit 1990 rückläufig (Abb. rechts). Seit 2000 lag der Anteil von Vögeln im ersten Lebensjahr in fünf von acht Jahren sogar unter 20 %.

Ein Grund für den geringen Bruterfolg dürfte die ungünstige Witterung in den arktischen Tundren NW-Russlands vor allem zu Beginn der Brutzeit 2007 gewesen sein. So berichtete die deutsch-russische Forschungsexpedition auf der Eismeerinsel Kolguev von langanhaltender Kälte und einem schneereichen Frühling (siehe Kolguyev). Die widrigen Umstände in den Brutgebieten zeigen sich auch bei den Familiengrößen: Die Blässgänse, die in der Lage waren, erfolgreich zu brüten, hatten im Durchschnitt nur 1,57 Jungvögel. Die meisten Paare (60 %) kamen mit einem Jungvogel in den Winterquartieren an. Lediglich 3 % der Paare hatten 4 oder mehr Jungvögel dabei.

 

Jungvogelanteile in verschiedenen Rastgebieten

Regionale Unterschiede

Die umfangreichen Daten, die in den letzten Jahren in den Winterquartieren erhoben wurden, zeigten oft regionale Unterschiede. Deshalb ist es wichtig, dass die Jungvogelzählungen in möglichst vielen unterschiedlichen Teilen des Winterareals gemacht werden. 2007/08 waren in 19 Regionen Beobachter aktiv. Der Schwerpunkt lag in NW-Sachsen und am Niederrhein (Abb. links). In den Niederlanden wurden viele der wichtigen Rastplätze erfasst. Obwohl in vorigen Jahren manchmal erhebliche Unterschiede in den Jungvogelanteilen zwischen einzelnen Regionen festgestellt wurden, war der Jungvogelanteil 2007/08 recht konstant. Nur einige Gebiete in den Niederlanden lagen deutlich unter dem Durchschnitt. Die hohen Anteile im NO-Brandenburgs vermutlich teilweise methodisch bedingt, da viele Stichproben an einem See erhoben wurden. Trupps auf Gewässern haben oft überdurchschnittlich viele erfolgreiche Familien (eigene Beob.), die offensichtlich öfters und/oder länger putzen und trinken als nicht-erfolgreiche Paare. Ebenso wurden auch in Großbritannien überdurchschnittlich viele Familien gezählt. Der Jungvogelanteil war hier sogar mehr als doppelt so hoch wie an den kontinentalen Rastplätzen. Ein ähnliches Muster wurde auch in anderen Jahren beobachtet. Offensichtlich wird die äußere Südwest-Ecke des Winterareals vor allem von erfolgreichen Familien aufgesucht.