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Der Helikopter wird beladen

Vorbereitungen

Bereits viele Woche zuvor begannen die Vorbereitungen für den diesjährigen Aufenthalt in der Barentssee. Die Ausrüstung mußte überprüft werden, beschädigte oder zerstörte Dinge ausgebessert oder ersetzt werden. So zerstörte der Sturm im August letzten Jahres zahlreiche Zelte, die durch die vier Monate arktischer UV-Bestrahlung stark angegriffen waren. Natürlich muss auch Verpflegung gekauft, verkauft und transportiert werden. Während die Ausrüstung in Nayarn-Mar eingelagert werden konnte, muss neue Ausrüstung per Luftfracht von St. Petersburg gebracht werden. Verpflegung für fast vier Monate wird in Nayarn-Mar eingekauft - auch wenn das Angebot hier oftmals klein und recht teuer ist.
Drei Tage benötigen die Teams für Tobseda und Kolguev, um alle Dinge in Nayarn-Mar zu besorgen, zu verpacken und schließlich mit dem LKW zum Helikopter zu bringen. Fast 2 Tonnen Ausrüstung und Verpflegung kommen so am Ende für beide Feldstationen zusammen.

Bei der Ankunft liegt Kolguyev noch tief verschneit da

Die ersten Tage

Das Expeditionsteam landete am 28. Mai auf Kolguyev. Am gleichen Ort wie im Vorjahr wurde das Camp errichtet. Dafür benötigten wir zwei Tage.
Das Frühjahr 2008 kann als besonders spät und kalt. Die Zahl der Gänse war zum Zeitpunkt der Ankunft sehr niedrig, nur wenige der lokalen Brutvögel waren angekommen. Der überwiegende Teil der Insel war noch von Schnee bedeckt. Die Schneebedeckung war deutlich stärker als 2007. Auf etwa 80% des Hügellandes und 60% des Pechanka-Gebieten lag noch Schnee. Bis zum 10. Juni gab es keine wirklich warmen Tage und immer wieder fiel Schnee, die mittlere Tagestemperatur lag bei 0°C.

Bei günstigem Wind kamen die Gänse in Mengen

Ankunft der Gänse

Ab dem 10. Juni stiegen die Temperaturen deutlich an und starke Schneeschmelze setzte ein. Erst ab dem 11. Juni kamen die Gänse im Gebiet an. Das Gras begann ab dem 18. Juni zu Wachsen.
Die Erfassung der Gänse und ihrer Habitatverteilung während der Brutvorbereitung begann am 30. Mai und dauerte bis zum 22. Juni. Dabei wurde zwischen dem Flusstal, dem Hügelland und den trockenen Hängen der Bachläufe unterschieden. Ebenso unterschieden wir verschiedene Habitate: Weiden-Moos-Tundra, Seggen-Moos-Tundra, Flechten-Tundra und Wollgrastundra.
Die Truppgrößen der Gänsegruppen waren bis zum 9. Juni recht klein (10-15 Vögel an einem Ort). Danach stieg mit der Ankunft weiterer Gänse die Größe der Trupps an: zwischen 20-30 Vögel, teilweise sogar bis zu 60 Individuen an einem Ort.

Ausgezupfte und abgefressene Seggen

Die bevorzugten Nahrungsflächen der Gänse wurden erfasst und auf Karten verzeichnet. Überwiegend fraßen die Blessgänse in feuchten Blänken mit Seggen (Carex aquatilis) auf der hochgelegenen Tundra, in den Tälern , am Fluss und in den Bachtälern. Im angetauten Boden und in den kleinen Blenken können die Gänse recht leicht die Spreiten der Seggen aus dem Boden ziehen. Zwar sind die Teile abgestorben, die aus dem Schnee geragt hatten, aber die unterirdischen Stengelbereiche sind grün. Diese beißen die Blessgänse ab und ernähren sich hiervor bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Gras zu sprießen beginnt.
Nonnengänse hingegen fraßen zumeist auf den Andelrasen (Puccinella spec.) der Hänge des Pechanka-Flusses.

Die Kondition lässt sich mit dem API leicht beschreiben

Gänse kamen in schlechter Verfassung an

Die körperliche Verfassung der Vögel wird mit dem Abdominal Profil Index (API) bezeichnet. Während unserer Wanderungen durch die Tundra erfassten wir den API für beide Geschlechter, jeweils differenziert nach dem sozialen Status und dem Habitat. Der API der erfassten Ganter schwankte zwischen Index 3-4, der der Weibchen von 3-5. Die Mehrheit der Vögel hatte den API 3-3,5, und war damit signifikant niedriger als 2007. Bedingt war dies durch die schlechten Nahrungsbedingungen während der ersten kalten Dekade, verursacht durch die späte Schneeschmelze und den gefrorenen Boden in den bevorzugten Nahrungshabitaten. So wurde das Graben nach den grünen Stengelbasen der Seggen erst möglich als der Boden in der zweiten Dekade ein wenig angetaut war.

Wovon leben die Gänse?

Zwanzig Probenflächenpaare (mit Exclosure und Kontrollparzellen) wurden ausgesteckt, um so Aufschluss über die Intensität der Gänsebeweidung auf die arktische Vegetation und das Wachstum der Gräser zu erzielen. Diese Probeflächen wurden in den Tälern und auf der hochgelegenen Tundra in verschiedenen Habitaten eingerichtet. Die Höhe und Anzahl der Schößlinge wurde in jedem Plot ermittelt und weitere zehn Flächen ausgesucht.

Mit Seilen werden die Parzellen für die Gänse gesperrt
Die Grasspreiten werden ausgezählt
Mit Fernrohren werden die Gänse am Nest beobachtet

Zwischen dem 7. und dem 16.Juni wurden intensive Beobachtungen zum Nahrungssuchverhalten der Brutpaare während der Brutvorbereitung durchgeführt. Pickraten wurden ebenso ermittelt wie das Zeitbudget der beiden Partner - wer frißt und wer sichert wieviel? Reicht die Nahrungsaufnahme, um die Kondition innerhalb weniger Tage so zu verbessern, dass die Vögel zur Brut schreiten können? Insgesamt konnten 38 Paare untersucht werden.

Rotfuchs im Winterkleid

Füchse

Auf Kolguyev leben sowohl Rot- als auch Eisfüchse. Während sich der Rotfuchs in Skandinavien erst in den letzten Jahren zunehmend nach Norden ausbreitet, fand Trevor-Batthy bereits 1868 bei einer Kolguyev-Expedition beide Arten vor. Damals schätzte er das Verhältnis beider Arten auf etwa 1:1. Heute gibt es vermutlich mehr Eisfüchse als Rotfüchse auf Kolguyev.
Beide Arten unterscheiden sich offenbar in ihrem Nahrungsspektrum kaum. Dem Rotfuchs wird nachgesagt, flexibler in der Nahrungswahl zu sein. Dafür verlassen Rotfüchse im Winter selten ihr Revier, während die Polarfüchse an die Küste oder gar auf das Packeis wandern und dort z.B. von den Beuteresten der Eisbären profitieren.

Innerhalb weniger Stunden ziehen hunderte von Gänsen über das Camp

Ab dem 10. Juni erreichten die Gänse in großer Zahl Kolguyev. Wir versuchten sowohl die ankommenden als auch die überziehenden Gänse zu erfassen. Tage mit geringer Zugintensität (bis zu 10 Vögel in einer Formation) wurden vom 1.-3. Juni beobachtet. Eine Phase intensiveren Zuges folgten am 10./11. Juni (Trupps mit bis zu 25 Tieren). Am 11. Juni wurden innerhalb von nur fünf Stunden dann 264 adulte und 19 juvenile Bless- sowie 324 überziehende Nonnengänse im Campvalley erfasst. Am folgenden Tag waren es 124 adulte und 10 juvenile Blessgänse.

Ein Gänsepaar an seinem Brutplatz

Alte Bekannte...

Ebenfalls wurden im Juni einige markierte Gänse beobachtet. So sahen wir am 2. und 6. Juni zwei Gänse, die wir im Vorjahr im Campvalley beringt hatten (VEA und VEB). Die Gans VEE wurde ebenfalls 2007 nahe beim Camp markiert. Damals zog sie ein Küken auf. Am 9. Juni wurde das Weibchen VEE gemeinsam mit dem Partner und einem Jungvogel am Camp beobachtet (VEE API 5, Partner API 4, juv API 3). Das Paar hat den Zug also sogar in guter Verfassung überstanden. Am 11. Juni fand intensive Gänsejagd in der Nähe der Ansiedlung der Nenets als viele Gänse ankamen und überzogen. Danach wurde VEE nur noch allein d.h. ohne Partner und Jungvogel beobachtet (13., 15., 16. Juni).
Wir beobachteten UJR auf dem moorigen Hochland und MKL nahe des Lybhoipenzja river (69,11703; 49,21762) am 11. Juni. Eine Blessgans mit einem gelben Halsring (5??) wurde dicht am Ambarny Fluss gesehen. Weiterhin schossen die Nenetsjäger die Blessgans BPU und brachten uns Hals- und Metallring. Ebenso wurde eine Nonnengans "NL 15.AO 6004 03 4" am 5. Juni geschossen.

Eine Überwachungskamera 30m vom Nest plaziert bringt Einblicke in das Brutgeschäft

Big-Brother Brutgeschäft

Zwischen dem 16.-19. Juni wurden immer mehr Nester gefunden, die entweder fast komplett waren oder deren Bebrütung gerade begonnen hatte. Insgesamt haben wir im Campvalley 28 Nester finden können.
An vier Nestern wurde am 17. Juni eine Videoüberwachung installiert. Alle 15 Sekunden wird automatisch ein Foto gemacht und auf einem großen Speicher abgelegt. Versorgt werden Videokamera und Speicher über große Autobatterien, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

Überall Nester

Jedes Ei wird vermessen und numeriert.

Die intensive Suche nach Gänsenestern begann am 12. Juni. Dies dient dazu, mittels der Eimaße (Gewicht und Größe) den Schlupftermin der Gelege zu bestimmen. Zudem wird jedes Ei vermessen und nummeriert, so dass später an den Schalenresten das Schicksal eines jeden Eis nachvollzogen werden kann. Insgesamt wurden 84 Nester gefunden. Die ersten Nester fanden wir im Westen der Insel nahe des Gubistaja-Flusses am 17. Juni. Es handelte sich um ein Nest mit sieben Eiern im Schutz eines Wanderfalkenhorstes. Später wurde sogar nahe dem Camp ein Nest mit 10 Eiern gefunden. Wir fanden zudem 21 Saatgansnester; die Gelegegröße lag hier zwischen 1 und 5 Eiern. Das erste Nest wurde wiederum am Gubistaya-Fluss gefunden - doch bereits am 12 Juni.
Im gleichen Gebiet fanden wir sogar 111 Nonnengansnester . Hier fanden wir Gelegegrößen zwischen 1 und 10 Eiern. Die ersten Nester fanden im Schutz der Wanderfalkenhorstes im Pechanka-Kliff.
Die Brutkolonien an Greifvogelhorsten entlang des Pechanka-Flusses Geese wurden mehrmals zwischen dem 6. und 21. Juni besucht. Nur zwei Raufussbussarde haben in diesem Jahr ihren Horst besetzt. Blessgänse brüteten nur an einem Wanderfalkenhorst, Nonnengänse jedoch wurden an allen Standorten gefunden: selbst dort, wo in diesem Jahr keine Bussarde oder Falken brüten.

 

Ort Wanderfalkenhorst Raufussbussardhorst Blessgans Saatgans Nonnengans
Ambarny   present 0 0 10 birds
No-raptor colony     0 0 10 birds
Peschanka 01 pair       4 nests, 29 birds
Peschanka 02 pair       21 nests, 61 birds
Peschanka 03   2 eggs      
Gubisaja river nest, 4 eggs       44 nests
Elgov-Tarka river 01 pair       30 nests, 140 birds
Elgov-Tarka river 02   pair, 2 eggs   1 nest 18 birds, no nests
Near camp,Peschanka(new colony!)   empty nest, no birds     9 nests, 32 birds
Hills area nest, 3 eggs   7 nests 1 nest 2 nests
Neben Snow-Scootern sind Rentierschlitten noch immer sehr beliebt

Nenets - Rentierzüchter und Jäger

Mehrmals besuchten wir die Rentierleute in ihrem vorübergehenden Dorf in 1,5km Entfernung und sammelten Informationen über Jagd, den Umfang ihres Eiersammelns und die Methoden der Rentierzucht. So berichtete einer der Jäger von "einem Korb voll Gänse aller Arten", den er während des intensiven Durchzugs am 10./11.Juni geschossen habe, ein anderer gab an, 40 Eier während einer Fahrt mit dem Rentierschlitten durch die Tundra gesammelt zu haben. Insgesamt weiden 150 Schlitten-Rentiere in der Umgebung. Die genaue Anzahl der verwilderten Rentiere ist auch den Nenets nicht bekannt.

Einige der Rentierleute zeigten sich sehr an der wissenschaftlichen Arbeit interessiert. Wir berichteten ihnen von unserer Tätigkeit und so versprachen, während der kommenden Wochen Informationen über Gänse und andere Ereignisse in der Natur zu sammeln.

 

Die Westküste
Flussüberquerung
Weite Wege im Schnee
Yuri paddelt flussabwärts

In zwei- bis dreitätigen Exkursionen erkundeten wir den Elgov-Tarka-Fluss, den Oberlauf des Pechanka sowie die Gubistya-Mündung, die Westküste sowie das Hügelland und das Zentralplateau mit dem Big Nos Mountain und sammelten Informationen über die Verbreitung der Gänse und ihre Brutdichten in verschiedenen Habitaten.
Jury Anisimov und Dmitry Ochinashko brachen zu ihrem Lagerplatz am Unterlauf des Pechanka am 16. Juni auf. Sie fuhren dafür den Fluss mit dem Schlauchboot hinab und kartierten alle Gänsekolonien in den Klippen des Pechanka. In den kommenden Wochen werden sie die große Nonnenganskolonie kurz vor der Mündung des Pechanka erneut untersuchen.

 

Text und Fotos: Alexander Kondratyev, Übersetzung u. Bearbeitung Helmut Kruckenberg