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Mehrere Fangmethoden

Um die Gänse individuell markieren zu können, werden in diesem Projekt verschiedene Methoden genutzt, die kurz vorgestellt werden sollen. Welche Fangmethode die Geeigneteste ist, muss jeweils nach den räumlichen und auch finanziellen Rahmenbedingungen entschieden werden. Zudem gibt es auch je nach Fangplatz verschiedene wissenschaftliche Fragen. Möchte man mehr über die Funktion eines Rastgebietes innerhalb der Migration erfahren, sollte man dort auch fangen. Möchte man mehr über die Winterverbreitung von Teilpopulationen erfahren, sollte man möglichst im Brutgebiet beringen.

Ganzenflapper - eine alte friesische Tradition

Seit mehr als fünfhundert Jahren werden in den Niederlanden Gänse mit Klappnetzen und Lockvögeln gefangen. Dazu werden in den Einflugschneisen von den Schlafplätzen zu den Wiedeflächen große Schlagnetze installiert, die sich von einer Schutzhütte in etwa 300-400m Entfernung auslösen lassen. Die Netze werden gut getarnt und noch vor Morgengrauen zahme und trainierte Lockgänse neben dem Netz positioniert. In der Schutzhütte selber halten die Fänger noch weitere zahme Gänse.

Kommen nun die wilden Gänse geflogen, interessieren sie sich für die Lockvögel am Boden. Schwenken die Wildvögel ein, so lassen die Ganzenflapper weitere Gänse fliegen, die sich dann direkt zu ihrem Partner oder Elternvogel neben dem Netz setzen. Das ist meist für die Wildvögel das endgültige Signal zur Landung.

Diese Methode wird an 10-11 Fangplätzen in den Niederlanden benutzt und darf nur noch für wissenschaftliche Zwecke angewendet werden. Da die Klappnetze mechanisch ausgelöst werden, entsteht kein Lärm und die Netze können bereits wenige Minuten nach dem Fang wieder eingesetzt werden.

Der Aufwand der Haltung, Zucht und des Trainings der Lockvögel ist allerdings erheblich.

So fangen die Ganzenflapper

  • Datei-Link-Symbol für GANSFLAP_01.MPGGANSFLAP.MPGHier können Sie sehen wie das Flappernetz funktioniert (Quicktime)713 K
Ringelgänse werden auf Terschelling mit einem Raketennetz gefangen (Foto: G.Müskens)

Fang mit Raketennetzen

Mobiler und damit flexibler ist der Fang von Wildgänsen mit sogenannten Raketen- oder Kanonennetzen. Dabei wird ein großes Netz mit sprengstoffgetriebenen Projektilen über die Gänse geschossen. Das Netz mit einer Größe von etwa 9x8m wird zuvor gut getarnt an den Rand der Fläche ausgelegt und die Kanonen im Boden vergraben. Über eine lange Zündleitung werden die Raketen dann ferngezündet, wenn die Gänse in den Fangbereich vor dem Netz sitzen.

Während die Ganzenflapper erneut ihr Netz für den Fang vorbereiten können, muss ein Kanonennetz anschließend aufwendig gereinigt und ggf. die Raketen erneut geladen werden. Zudem ist das Kanonennetz nur dort erfolgreich einsetzbar, wo die Gänse mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den Fangbereich sitzen, d.h. zum Beispiel auf Feldern mit Rüben- oder Maisresten oder am Ufer der Schlafplätze.

Mausernde Blessgänse werden im Brutgebiet gefangen (Foto: Alterra 2005)

Fang von mausernden Vögeln im Brutgebiet

Während der Brutzeit mausernd Wildgänse wie Schwäne und Enten ihr Großgefieder und sind zu dieser Zeit für knapp vier Wochen nicht flugfähig. Deshalb sind sie besonders scheu und suchen spezielle Mausergewässer auf, die ihnen eine große Sicherheit bieten. So weiden sie am Rand von großen Seen oder Flüssen, auf die sie dann flüchten können. Mit Stellnetzen am Gewässerrand lassen sich während der Mauser z.T. sehr große Anzahlen einfangen. Hierfür muss zunächst beobachtet werden, wo die Gänse häufig grasen. Dann müssen mehrer Fänger in einer gut geplanten und koordinierten Aktion vom Ufer und Boot aus die schwimmenden Gänse in das Stellnetz treiben. Dies Netz verjüngt sich zum Ende und so können die Gänse eingesperrt werden.

Diese Methode wurde schon vor langer Zeit von den Ureinwohnern Sibiriens genutzt, um Gänse zu jagen. Auch die Gefangenen der russischen Arbeitslager benutzten sie und trugen so stark zum starken Niedergang der Gänsebestände in den 1950er und 1960er Jahren bei.

Der Fang mausernder Vögel erlaubt Aussagen für bestimmte Teilpopulationen bzw. Mauserregionen und es lassen sich ebenso damit komplette Familien fangen. Allerdings brüten und mausern die Bless- und Saatgänse in den weiten Tundren Sibiriens. Der logistische Aufwand für eine Fangaktion in der Arktis ist erheblich. Zudem lassen sich Ringel- und Nonnengänse auf diese Art und Weise einfacher fangen als Bless- oder Saatgänse.

Dennoch wird diese Methode ebenfalls in unserem Projekt genutzt. So wurden zu Beginn der 1990er Jahre Blessgänse durch J.Mooij und I. Kostin auf Taimyr beringt (Farbe weiß) und 2005 sowie 2006 erneut von B.Ebbinge (Farbe schwarz). Ebenso wurden 2006 und 2007 auf Kolguyev Gänse gefangen.
Diese Fangmethode hat sich aber auch bei der Markierung von Graugänsen in Deutschland mehrfach bewährt.