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Rückkehr nach Kolguev

Kurzstop in Bugrino

Anfang August fand eine neuerliche Expedition nach Kolguev statt. Gemeinsam mit Prof. Martin Wikelski vom Max Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell und seinen Kollegen zogen wir aus, um Blessgänse für einige laufende Untersuchungen zu fangen. Am 3. August trafen wir uns in Hannover auf dem Flughafen und flogen gemeinsam nach Moskau, wo wir einen Teil unserer russischen Kollegen trafen. Am nächsten Tag flogen wir nach Nayarn-Mar weiter, um dann mit dem Helikopter nach Kolguev zu fliegen. Vor Ort warteten bereits in einen kleinen Camp drei Studenten aus Moskau, die bereits seit einigen Wochen dort Feldarbeiten durchführten.

Am Ende der großen Fangreuse laufen die Gänse in einen kleinen Fangkäfig.

Angekommen und gleich geht es los

Bereits am Abend nach der Ankunft rückten wir zum ersten Gänsefang aus. Um die mausernden Gänse zu fangen, bedarf es gründlicher Vorbereitung. Es muss ein Mauserplatz gesucht werden, der sich für einen Fang eignet. Innerhalb einer vierwöchigen Periode - während die Gänse ihre Jungen aufziehen - wird das gesamte Gefieder der Flügel ersetzt. In dieser Zeit können die Vögel nicht fliegen und suchen besonders sichere Orte auf. Dies sind zumeist proteinreiche Wiesen in der Nähe eines Sees. Während einige Helfer die Gänse auf dem Wasser eines kleineres Sees halten, baut die Mehrzahl des Teams ungesehen eine große Fangreuse auf, die die Vögel dann später flüchten, wenn es ihnen Kanus auf dem See "ungemütlich" machen.

Bilder vom Gänsefang

Die Gänse laufen in die Reuse
kurz vor dem Fangkäfig
Die Gänse sind eingefangen
Altvögel bekommen grüne Halsbänder
Die Gänse werden freigelassen
Rückweg: Am Abend kommt Nebel auf
GPS-Tracks einer Blässgansfamilie auf Kolguyev für einen Tag: Vater (blau), Mutter (rot) und Küken (lila). Auf den Fotos sind die verschiedenen Sendertypen zu sehen: Rucksack-Solarsender und Halsring-Solarsender

Hochauflösende GPS-Logger: neue Technik für Gänsefamilien

Auf ihrer Reise von Nordrussland nach Mitteleuropa fliegen Blessgänse im Familienverband. So lernen die Jungen wann sie losfliegen sollten, welcher Route sie folgen müssen und wo gute Rastgebiete sind. Mit neuen, hochaufgelösten GPS Daten soll in diesem Winter untersucht werden, wie eng die Gänsefamilien beieinander bleiben, in welcher Formation sie während des Zuges fliegen und welche Rolle Mutter und Vater Gans hierbei spielen. Dazu werden GPS-Datenlogger benutzt, die in weißen Halsbändern eingelassen sind. Mittels Solarzellen wird der notwendige Strom erzeugt. Da es sich um große Datenmengen handelt, können diese nicht über Satellit oder Telefon gesendet werden, sondern müssen über Funk ausgelesen werden. Erste Daten wurden wenige Tage nach dem Besendern ausgelesen und deuten darauf hin, dass die Küken in der Nähe der Eltern bleiben, aber auch kleine Abstecher machen, oft alle zusammen. Bleibt das so während des Zuges und wie kommen die Familien im Wintergebiet an?

Die Datenlogger wurden in weiße Halsbänder eingegossen

Weiße Halsbänder bitte schnell melden!

Die Datenlogger müssen mit einem speziellen Lesegerät ausgelesen werden. Hierfür ist es wichtig, dass jemand möglichst auf wenige hundert Meter an die markierte Gans heranfährt. Über geese.org wird sofort die zuständige Mitarbeiterin Dr. Andrea Kölzsch benachrichtigt. Daher ist es sehr wichtig, dass diese Halsbänder möglichst schnell auf geese.org gemeldet werden.

Die Kolguev-Expedtition 2013 wurde gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie (Radolfzell) durchgeführt.