Warum Jungvogelanteile erfassen?

Mit Hilfe der regelmäßigen allgemeinen Gänsezählungen lassen sich langfristige Trends in der Entwicklung von Gänsepopulationen feststellen. Um Veränderungen frühzeitig erkennen oder sogar voraussagen und ihre Ursachen benennen zu können, sind dagegen Informationen über den Altersaufbau einer Population wichtig. Die Geburtenrate zusammen mit der Mortalität, der Sterberate, bestimmen nämlich maßgeblich die Änderungen der Bestände, während Zu- und Abwanderung meist von untergeordneter Bedeutung sind.
Daten darüber, wie viele Paare erfolgreich brüten, wie viele Junge sie insgesamt produzieren und wie viele Junge auf die Familie entfallen, liefern über die Zählungen hinaus also wichtige Kenntnisse über die Populationsdynamik. Daher ist es wichtig und interessant, sowohl den Anteil an Jungvögeln bei den überwinternden Gänsen als auch den Anteil an erfolgreichen Brutpaaren zu bestimmen. Glücklicherweise kann man bei den meisten Gänsearten die Jungen noch bis in den ersten Winter hinein erkennen.

Junge Blessgans im Dezember

Weil die Familienverbände der Gänse bis weit in den Winter hinein bestehen bleiben, lassen sich Bruterfolgskontrollen gut im Winterquartier durchführen. Das Erfassen des Jungvogelanteils und der Familiengröße (die Zahl der Jungvögel pro Paar) ist damit neben der Ermittlung der Bestandszahlen einer der wichtigsten Aspekte, die wir als (ehrenamtliche) Beobachter bearbeiten können. Dies bietet sich vor allem außerhalb der Stichtagzählungen an, weil man dann mehr Zeit hat, die Trupps auf Familien zu kontrollieren.

Es muss immer quer durch den Gänsetrupp erfasst werden

Wie erfasst man Jungvogelanteile?

Die Merkmale zur Bestimmung der Jungvögel der unterschiedlichen Gänsearten sind in guten Bestimmungsbüchern oder der DO-G Gänsebroschüre aufgeführt. Bei den meisten Arten unterscheiden sich die Jungvögel von den Eltern durch ihre Gefiederzeichnung am Rücken und an den Flanken.
Da diese Merkmale im Herbst noch am deutlichsten ausgebildet sind und später mit der Mauser des Körpergefieders allmählich verschwinden, sollte man möglichst bald nach der Ankunft der Gänse mit der Ermittlung der Jungvogelanteile beginnen. Hierbei werden alle momentan erkennbaren Vögel auf ihr Alter hin bestimmt und Jung- und Altvögel gezählt.
Generell sollten Jungvogelanteile nur dann gezählt werden, wenn im betrachteten Truppteil mindestens ein Drittel der Vögel bestimmt werden kann. Wenn einzelne Vögel sich auf den Boden niedergelassen haben, ist Vorsicht geboten, weil dies manchmal gerade die Jungvögel sind.
Beim Erfassen der Jungvogelzahlen sollten einige Randbedingungen beachtet werden, denn Familien mit Nachwuchs und Paare ohne Jungvögel oder unverpaarte Tiere verteilen sich nicht gleichmäßig in rastenden Trupps. Oft sind erfolgreiche Familien in der Spitze oder am Rand eines Trupps anzutreffen. Auch in kleineren Trupps um einen größeren herum sind erfolgreiche Familien meistens stärker vertreten.

Ergebnisse

Hier erfahren Sie mehr über den Bruterfolg der Gänse in den letzten Jahren:
Ergebnisse 2007/08 hier
Ergebnisse 2009/10 hier

 

Jeder kann mitmachen!

Jeder Beobachter mit guten Artkenntnissen kann Jungvogelanteile in Gänsetrupps bestimmen. Die Periode nach Ankunft in Herbst bis etwa Januar eignet sich am besten, weil die Jungvögel dann noch ihr typisches Jugendkleid haben und die Familienverbände weitgehend intakt sind. Die Erfassung ist unter guten Bedingungen einfacher, als man sich das vielleicht vorstellen mag. Durch die intensive Betrachtung der einzelnen Gänsetrupps entdeckt man auch fuß- oder halsberingte Individuen und man erfährt viel Interessantes über das Sozialverhalten der Gänse. Die Erfassungen sind nicht an bestimmte Termine gebunden, man kann sich also die schönsten Tage dafür aussuchen. Mehr Informationen bei Kees Koffijberg (SOVON), kees.koffijberg(at)t-online.de oder auf der Homepage des DDAs (www.dda-web.de).

Kees Koffijberg
SOVON Vogelonderzoek Nederland
Rijksstraatweg 178
NL-6573 DG Beek-Ubbergen
kees.koffijberg(at)t-online.de