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Expedition in die Brutgebiete beendet

Das Wissenschaftlerteam umfasste vier russische und drei deutsche Vogelkundler.

Bereits seit dem 29.5. arbeitete eine kleine Gruppe aus drei russischen Wissenschaftlern im Nordosten der Insel Kolguev in der Barentsee und studierte die Brutbiologie der Bless- und Nonnengänse dort. Mitte Juli reisten dann aus Deutschland H. Kruckenberg, C. Zöckler und J. Mooij ebenfalls nach Kolguev, um die Kollegen bei diesem gemeinsamen Untersuchungsprojekt zu unterstützen.
Wie geplant verlief der Flug von Hamburg bzw. Düsseldorf über St. Peterburg nach Murmansk. Hier verzögerte sich der Weiterflug vom 15. auf den 18.7. aus unklarer Ursache - sowas kann passieren. Aber am 18.7. wurde das Team, das seit Peterburg noch von dem russischen Möwenspezialisten Valery Buzun unterstützt wurde, zum Flughafen gebracht und ist nach 3 Stunden auf einem Flugfeld aus Sandblechen auf dem Strand von Kolguev gelandet. Mit "Bussen", riesigen geländefähigen Lastwagen mit einem Aufbau für ca. 20 Personen, wurden wir dann zunächst ins Dorf und dann an das Ende der Straße gebracht, von wo man nochmals 2,5 Stunden durch die Sümpfe laufen musste, um zum Camp am Peschanka River zu gelangen.

Nonnengänse brüten auf Kolguev in großen Kolonien

Unsere russischen Kollegen waren schon seit 29.5. unendlich fleißig gewesen und hatten im nordwestlichen Teil der Insel die Nonnen- und Blessgansnester erfasst. Insgesamt hatten sie im Gebiet knapp 500 Nester von Blessgänsen gefunden und mit GPS eingemessen. Das entspricht einer Dichte von ca. 40 Nestern pro ²km (auf dem Festland ca. 0,1Nester / ²km). Die Kolonien der Nonnengans können nur mit Transsekten erfasst und hochgerechnet werden. Die Kolonie - vermutlich die größte auf Koluev - in unserer Nähe umfasst ca. 35.000 - 40.000 Brutpaare. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten auf Kolguev etwa 50% aller Nonnengänse und 25-30% aller Blessgänse der Westparlearktis brüten. Das Gebiet besitzt also schon nach den vorläufigen Ergebnissen nur eines Jahres eine unglaubliche Bedeutung allein für die Gänse!
Wir können aufgrund der Daten von Morozov & Syrochekovski von 1995 zudem Vergleiche zu heute anstellen. Danach hat sich der Bestand der Nonnengänse dort vermutlich versiebenfacht, der der Blessgänse ist stabil. Wie die Rastbestände im Wattenmeer auch sind die Bestände von Alpenstrandläufern, Zwergstrandläufern und Goldregenpfeifern deutlich zurückgegangen, damit gewinnen unsere Untersuchungen auch eine deutliche Bedeutung direkt für Deutschland und wir werden entsprechend auf der Tagung zum Thema des Limikolenrückganges im Wattenmeer Ende Aug hierzu auch berichten.

Eisfüchse kommen auf Kolguev in hoher Dichte vor


Bemerkenswert war die unerwartet hohe Prädationsrate auf dieser lemmingfreien Insel. Wir fanden Baue des Polarfuchses etwa alle 2-3km, Nester von Wanderfalke (hier Limikolen) und Raufussbussard ebenfalls so häufig und eine außerordentliche hohe Prtädation der Küken durch Eismöwen. Dennoch konnten wir einen guten Bruterfolg auf Kolguev finden. Die Familiengrößen betrugen 2,8 JV /BP bei Nonnen- und 2,1 JV/BP bei Blessgänsen. Allersdings verließen die erfolglosen Paare offenbar recht schnell die Insel, so dass wir nicht klären konnten, wieviele von den Brutpaaren alle Küken verloren haben. In diesem Zusammenhang haben wir zahlreiche Beobachtungen gemacht, wie "schlecht" die Feindabwehr gerade von Blessgänsen bei Eismöwenangriffen funktioniert. Während Nonnengänse in großen Gruppen von mehreren Paaren mit ihren Jungen unterwegs sind und bei Angriffen den Mochusochsen gleich Verteidigungsringe um die Küken aufbauen, laufen Blessgänse recht vereinzelt durch die Tundra und verstecken sich eher zwischen Weidenbüschen. Gerade mit Beginn der Flugunfähigkeit auch der Eltern, konnten sich die Blessgänse oftmals nicht gegen Angriffe erfolgreich wehren. Der Prädationsaspekt ist sicherlich ein sehr interessanter Bereich, bislang ist nur ein geringer Teil der Daten ausgewertet - dies wird erst in den kommenden Wochen und Monaten geschehen.
Wir konnten zudem - wie schon im Internet zu lesen - insgesamt 19 Bless- und 3 Saatgänse mit Halsringen versehen, weitere 15 Nonnengänse bekamen bunte Fußringe. Zudem haben wir noch zahlreiche weitere Nonnengänse nur mit Metallringen beringt. Küken bekamen bei allen Arten nur Metallringe.
Wir haben dann auch den Satellitensender von Bouke wieder in Betrieb genommen. Der Vogel heißt jetzt "Sasha" und ist ein richtiger Brutvogel von Kolguev. Er führte seine Familie in die Erkapenya Lowlands. Leider konnte er wenige Tage später den Sender abstreifen. Die ganze Geschichte von Sasha lesen Sie bitte hier.
Für das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) haben wir alle Gänse, aber auch Limikolen sowie die Wasservogelprädatoren Eismöwe, Wanderfalke und Raufußbussard beprobt. Die gesammelten Proben wurden direkt am Flugzeug von einem Mitarbeiter des Institutes abgeholt und nach Riems gefahren, wo sie untersucht wurden. In 4 von 130 Proben wurden Hinweise für eine Viruserkrankung gefunden, es fanden sich aber keine Hinweise auf eine Infektion mit H5N1 oder einen anderen gefährlichen Virus.
Einen ausführlichen Expeditionsbericht mit vielen Bildern finden Sie hier. Schauen Sie zudem in unser Weblog, Live-Eindrücke aus der Arktis über Satellit!

Gänsebilder aus dem Brutgebiet

Mit einer digitalen Kamera gelangen herausragende Bilder jungeführender Gänse (c) A. Kondratyev

Auf Kolguev brüten Nonnen- und Blessgänse in großer Zahl. Insbesondere während der Jungenaufzucht ist ihr Verhalten sehr unterschiedlich. Während die Nonnengänse mit mehreren Familien große "Kindergärten" bilden und in einer Art Verteidigungsring die Jungen gemeinsam verteidigen, sind die Blessgänse paarweise unterwegs. Hier können Sie sich Videoaufnahmen ansehen.
Videoaufnahmen von Nonnengänsen.
Videoaufnahmen von Blessgänsen.
Inmitten der großen Kolonie brütender Nonnengänse fanden wir eine Kleine Schneegans (Anser rossii, die mit einer Nonnengans verpaart war und erfolgreich drei Junge aufzog. Sehen Sie hier Aufnahmen der beiden Gänse in der Nähe des Nestes Mitte Juni.
Videoaufnahmen der Schneegans.

Diese Expedition wird durch die finanzielle Unterstützung des Vogelschutzkomitee e.V. und ECORA ermöglicht.